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Nebojša Krulanović

Nebojsa KrulanovicNebojša Krulanović ist Komponist, Pianist, Bandleader und musikalischer Leiter für Schauspiel am Landestheater in Linz. Er ist ein Glücksfall in diesem Metier, denn er ist ein ebenso versierter Komponist wie er routiniert Ensembles leitet, präsent musizierend auf der Bühne steht oder mal an einer Celesta im Orchestern die Tasten greift. Und er springt zwischen den Genres, den Stilen. Aber egal, ob er sich mit Rock, Pop, Jazz, Folklore oder Klassik beschäftigt, eines zeichnet seine Musik und seine Interpretationen immer aus: Sie haben Seele.

Geboren ist Nebojša Krulanović in Foca in Ostbosnien, (eigentlich sind seine Wurzeln in Montenegro), aufgewachsen ist er in Sarajevo. Er fing mit sieben Jahren an, Klavier zu spielen, und schon während des zweiten Jahres am Musikgymnasium wusste er, dass er Pianist werden wolle. Er war ein erfolgreicher Student, unterrichtete schon früh und gab Konzerte, interpretierte gerne Bach, Chopin, Beethoven und später Prokofjew und Uraufführungen, die er für Funk und Fernsehen einspielte. 1986 bekam er ein Angebot als Korrepetitor am Stadttheater Klagenfurt. Er war einer von zweien in dieser Funktion, und so lernte er vor allem eines: Flexibilität. Er saß am Klavier während Opern-, Musical, Operetten- und Ballett-Proben und spielte im Orchestergraben.

Nebojsa Krulanovic Nach Klagenfurt kam Linz. Als Heimat würde Nebojša Krulanović Linz nicht bezeichnen, obwohl „meine Heimat da ist, wo meine Familie ist“, und die ist nun mal hier. “Egal, ob ich in Norwegen oder Spanien leben würde, meine Insel ist das Theater. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich als Normalmensch z.B. in Österreich ohne diese Insel klar kommen würde. Wenn man Theater machen will, muss man sich entscheiden, ein Theatermensch zu sein, mit allen Vor- und Nachteilen.” Er bezeichnet vor allem seine Linzer Jahre als beruflich erfolgreichste Zeit. Nicht, das ich als Komponist entdeckt wurde, ich habe schon als Kind komponiert, aber ich konnte mich eben auch auf diesem Gebiet ausdrücken. Als Produktionen, die er nie vergessen wird, und über die er mit großer Sentimentalität spricht, nennt er die erste Produktion von Schauspieldirektor Gerhard Willert, „Der Dreh“, wo er am Sampler auf der Bühne saß, “Glaube Liebe Hoffnung”, das Horvathstück, wo er live auf der Bühne Akkordeon spielte, das Kindermusical “Die Fürchterlichen Fünf “mit Heidelinde Leutgöb im u/hof:, die Uraufführung über Zwangsarbeiter in der Hermann Göring Werken “An wenn soll ich schreiben? An Gott?” (Musik: Peter Androsch) und sein musikalisches Baby “Der Räuber Hotzenplotz”.

Gelacht habe er am meisten in “Das Herz in der Lederhose” mit Günter Rainer und Joachim Rathke. Ein weiterer Höhepunkt war natürlich seine musikalische Leitung im Großen Haus bei Brechts “Mutter Courage und Ihre Kinder” und die “Rocky Horror Show”, große Erfolge folgten unter anderen mit “3 x Cevapcici”, “Das Dschungelbuch”, “Der gute Mensch von Sezuan”, dem Musical “Sweeney Todd”, “Woyzeck”, “Black Rider” mit Musik von Tom Waits oder eben aktuell zeitgenössische Ballettmusik in der Produktion “Schwanengesang” im Neuen Musiktheater Linz.

Er berichtet lächelnd über seinen charakteristischen Produktionsstil. Zu Beginn der Arbeit fange er immer langsam ohne große Lust an, sei ein wenig phlegmatisch, im Laufe der Proben würde es ihn aber dann mit Haut und Haaren packen. Diese Euphorie würde dann eine Woche vor der Premiere vom Gegenteil abgelöst, und es käme die Phase, in der er immer aussteigen wolle. Eine Kindheitserinnerung kommt ihm in den Sinn: “Ich war fünf und habe in unserem Keller in Sarajevo ein Konzert als Dirigent, angekleidet mit Anzug und weißem Hemd, mit einem kleinen Kinderchor vorbereitet. Zehn Minuten vor dem Auftritt bin ich verschwunden, habe mich versteckt. Alle haben mich gesucht aber nicht gefunden. So musste das Konzert im Keller ausfallen.” Wenn es heute jedoch so weit ist, ist er der “lockerste Mensch”. Um halb acht, wenn das Publikum sitzt, fühle ich mich sicher.”