Jazzwa

JAZZWA beim Donaufestival in Ulm

Presse vom 6. September 2010 aus Ulm

AUGSBURGER ALLGEMEINE ZEITUNG

Balkan Tango und Roma Blues
Florian L. Arnold

Balkanjazz lebt davon, die Lebendigkeit der Tempi, die Schrägheit der Rhythmen und ständig wechselnde Takte mit immer neuen Improvisation zu verändern und dabei munter in allen Musikstilen zuhause zu sein. So auch bei der Linzer Truppe „JazzWa“, die auf dem Ulmer Marktplatz bei spätsommerlich-klarem Wetter ein klangschönes Medley südosteuropäischer Stimmungen präsentierte.

Quirlige Arrangements von Volksliedern

Gegründet hat die Band Nebojsa Krulanovic, im Brotberuf Schauspielmusiker und Komponist am Landestheater Linz. Ihm sind auch die quirligen Arrangements der serbischen, rumänischen, bulgarischen und österreichischen Volkslieder zu verdanken. Dem Ohr schmeichelt diese gutverdauliche Mischung musikalischer Dialekte des Ostens zwischen balkanisch-schneller, blechgetriebener Partymusik (schöne Trompetensoli von Gerd Rahstorfer), sanften Balladen und lustvoll ausgeloteten, bittersüßen Liebesliedern, die immer einen tieftraurigen Ursprung haben. Auch JazzWa lebt von der Anleihe bei Stilen aus der ganzen Welt: Es gibt „Bosnien-Blues“, „Balkan-Rumba“ und „Roma-Tango“, die mitunter sehr effektvoll mit der Tonsprache von Free-Jazz, Minimalismus, Pop und Folk gekreuzt werden. Dafür sorgten Soli von Violinistin Irene Kepl, Thomas Mandel am Sopransaxofon und Manuela Kloibmüller am Akkordeon.

Das kam offensichtlich an, der Marktplatz war gut gefüllt. Der Applaus war groß, nur die mehrfache Aufforderung, sich den Tanzrhythmen hinzugeben, wurde vom Gros des Publikums jedoch höflich überhört.
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SÜDWEST PRESSE

Ein Sog aus Melancholie und Lebensfreude

Auch wenn der Jazzwa Trans Danube Music Orient Express aus Linz kommt: Besetzt ist die Band international, will heißen aus jenen Ländern, in denen die Musika orientala tziganeasca gepflegt wird – gepflegt und nicht wie man es von Fußgängerzonen her kennt, mit falschem Pathos, fettigen Glissandi und tremolierendem Vibrato runtergenudelt wird.

Diese Klischee-Vorstellungen demontierten zwei Bands am Samstagabend: die Jazzwa Trans Danube Music Orient Express Band und das Martin Lubenov Orkestar vor weit über 1000 Zuhörern auf dem Marktplatz. Drei Stunden lang hielten die fünfzehn Musiker der beiden Bands die Mixtur aus Orientalismen, Mariachi-Klängen, Tango und Jazz am Köcheln. Eine Musik, die sofort die Herzen der Zuhörer anspricht, auch deshalb, weil sie in vielen Farben und Facetten sprühend den Musikern reichlich Raum bietet, sich in all ihrer Virtuosität voller Leidenschaft und purer Spielfreude zu präsentieren. Das Balkan-Fieber griff um sich. Eine Krankheit, an der man gerne leidet: Füße wippten, Hände klatschten mit, peu à peu zog es immer mehr Infizierte tanzend in Richtung Bühne. Zum Vorreiter wurde ein betagtes Paar. Langsam wiegte sich seine Volkstanzschrittfolge zum bittersüßen mazedonischen Lied von Jazzwa. Jazzwa bedeutet kleines Kaffeekännchen. Stark, heiß, bekömmlich kredenzte es einen mitreißenden Melodien- und Sprachen-Mix.

Nebojsa Krulanovic mit seinem umgehängten Keyboard war Chef der Truppe, die mit schmachtender Geige, Musette-Charme, Trompeten- und Saxophon-Geschmetter alle Register zog. Publikumsliebling war Sängerin Lana Cencic. Das zierliche Temperamentsbündel mit großer, wandlungsfähiger Stimme erzählte auch von Liedinhalten, von der recht fröhlichen Nachbarin, die vom Ehemann verlassen wurde, von zwei Toten in Istanbul oder von ausgelassenem Trink- und Hochzeitsliedern. Ein Sog aus Melancholie und Lebensfreude, dem sich niemand auf dem Marktplatz entziehen konnte und wollte.
www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/art4329,618993